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Nachlese Les Blogs

Hie und da gab es erfreuliche, da oder dort auch ganz erstaunliche Debatten über mein Statement auf dem Mainstream-Media-Panel bei Les Blogs – genauer: über jenen Teil, der sich mit der deutschen Blogosphäre im internationalen Vergleich beschäftigte. Noch genauer: über das, was dazu auf heise zu lesen war. Dazu noch eine kleine Nachlese.

Beim heise-Auszug handelte es sich, wie erwähnt, zum Teil um übersetzte Bulletpoints der Folien. Inzwischen gibt es auch Audio-Mitschnitte der Session, verlinkt über das Kongress-Wiki. (Statement ab ca. 12:00 min. Sorry, Spreeblick, für den Unsinn.)

Hier auch die Folien als jpgs – verbunden mit der herzlichen Bitte, doch daneben das verbindlich gesprochene Wort zu berücksichtigen, die Konferenzsprache Englisch und die Zielgruppe (Teilnehmer aus 20 Ländern). Auch Humor könnte bei der Exegese helfen und wäre allerschärfstens willkommen.


Für die neu Hinzugekommenen eine kurze Zusammenfassung des Statements:

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Die deutsche Blogosphäre ist im Vergleich zu Frankreich, Polen, den USA oder Japan nicht besonders weit entwickelt - und das, obwohl Deutschland das Internet seinerzeit sehr früh umarmt hat und heute zu den Ländern mit besonders vielen Breitband-Anschlüssen zählt.

Deutschland ist in diesem Sinne ein Entwicklungsland. Nicht nur die Zahl der Weblogs ist klein - absolut und erst recht bezogen auf die Menge der verfügbaren Breitband-Anschlüsse. Es gibt bisher kein Weblog, das mit Angeboten wie Instapundit vergleichbar wäre, es gibt keines, das professionell betrieben wird (wie jene von Gawker, Weblogs Inc., Corante oder meinetwegen Treonauts - na gut, eines seit Paris nun doch), und nur sehr wenige mit jener erstaunlichen Qualität, wie sie eine große Gruppe angelsächsischer Weblogs mittlerweile erreicht - als Kunstform, als Fachticker, als Politik-Plattform, als Nabelschau. Und: Die deutsche Blogosphäre wird noch merklich von Geeks dominiert.

[Natürlich bestätigen Ausnahmen die deutsche Regel. Und natürlich impliziert dieser Vergleich mit anderen Ländern nicht, dass eine bestimmte Art von Großblog unbedingt wünschenswert wäre.]

Woran mag das liegen? Vielleicht daran, dass die Debattenkultur in Deutschland nicht so ausgeprägt ist wie etwa im englischen Sprachraum oder in Frankreich. [Aber was ist mit Japan?] Vielleicht orientieren sich deutsche Rezipienten stärker als anderswo an der Reputation eines Mediums [und trauen eher dem Leitartikel in der FAZ als einem unbekannten Blogger], vielleicht stimmt auch das Klischee - und die deutschen Intellektuellen sind neuer Technik nicht gerade zugewandt. Wahrscheinlich auch hat das Warblogging nach dem 11. September 2001 dazu beigetragen, dass die US-Blogosphäre heute inhomogener und thematisch breiter ist.

[Ein zweiter Teil des Statements beschäftigte sich damit, dass jene Weblogs, die doch nur wieder Journalismus betreiben wollen, meist besonders langweilig sind, und dass Mainstream-Medien Blogs umarmen sollten – und nicht versuchen, Blogs zu sein. Siehe Folien, höre Mitschnitt.]

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Zur Debatte:

@moe: Ich hatte die Thesen so verstanden, daß nicht vorrangig mehr Blogs gefordert sind (im Sinn von Masse), sondern dass "Qualität" eingefordert wird.

Eingefordert wurde eigentlich gar nichts. (Außer den fünf deutschen Päpsten. :) Es ging zunächst um den Vergleich zwischen verschiedenen Ländern - ich saß auf dem kalifornisch-französisch-britisch-deutsch besetzten Mainstream-Media-Panel, und wir hatten uns darauf geeinigt, über Interkulturelles zu reden, weil uns die Debatte MSM ./. Blogs langweilt. (Ironischerweise aber lief es in der Berichterstattung/Diskussion einmal mehr auf diese Perspektive hinaus.)

Ich hatte also versucht, die deutsche Blogosphäre mit Zahlen zu beschreiben und international halbwegs fair einzuordnen (etwa durch „Blogs pro Breitbandanschluss“). Außerdem hatte ich nach inkommensurablen Unterschieden gesucht. ("Qualität", "Bedeutung",...)


@roxomatic: Stichwörter “Impact-Blog” oder “bedeutendes Blog”
Stimmt, gibt es nicht. Muss es denn eins geben?

Nein, muss es nicht. Aber nach dem Grund fragen muss erlaubt sein. Damit wir uns so richtig missverstehen: Weblogs, die sich in ihrer Nische wohl fühlen, sind wunderbar, mich persönlich zum Beispiel interessieren nahezu ausschließlich diese. Bemerkenswert ist eben, dass die deutsche Blogosphäre im Gegensatz zu anderen Ländern fast nur aus Nischen zu bestehen scheint.


@moe: Irgendwie ist es doch auch etwas verquer, mit Qualität, Elite und "Impact" anzukommen um zu erklären, warum es in D weniger Blogs als in anderen Ländern hat.

Das eine (Qualität, Bedeutung) war Teil der Zustandsbeschreibung. Das andere (eher technikferne Intellektuelle) Teil der Erklärungsversuche.

Die plakative englische Bulletpoint-Begrifflichkeit, für die mich Herr praschl oder Frau Katatonik unter dem Antville-Server kielholen dürfen, hat einigen nicht gefallen. Mir gefällt sie so außerhalb des gesprochenen Vortrags und in der deutschen Übersetzung ebenfalls nicht besonders. Werde daran arbeiten.


@roxomatic: : Was, bitteschön, ist eine Elite? [...] Wird das Blog eines Professors das eines wissenschaftlichen Mitarbeiters übertrumpfen?

Zur Begriffswahl siehe oben. Dass viele deutsche Geistesarbeiter eher technikfern sind, so die These, könnte erklären, warum es nicht viel mehr geistreiche Blogs gibt. (Und: Iwo, im Zweifel schreibt der Assistent das bessere Blog.)

Der RSS-Blogger schrieb bei moe:

Den Vortrag von Wegner, wenn er den gleichen gehalten wie, wie schon die beiden Male, als ich den Vortrag einmal auf englisch und einmal auf deutsch gehört habe, habe ich nicht so negativ in Erinnerung, wie Sixtus das jetzt für Heise zusammengeschrieben hat.

Ähnliches habe ich auch von den in Paris Anwesenden inzwischen öfter gehört.


@roxomatic: Stichwort “fünf Päpste” Gerne.

Zu viel der Ernsthaftigkeit. :)

@dogfood: aber zumindest ein stück mehr fleisch hätte er seinen thesen beilegen können, wäre diskursfördernder. derzeit wirkt es wie einige nett ausgedachte bulletpoints.

Das mag auch daran liegen, dass es sich bei heise zum Teil tatsächlich um die Bulletpoints handelte.

Diesen Kommentar von Jan Schmidt bei moe fand ich gut:

Zum Thema "Qualität" gab es vor einigen Wochen eine kleine Diskussion bei Martin Roell (http://www.roell.net/weblog...).
Ich habe damals vermutet, dass die aufgeregte Diskussion um Qualität in Weblogs vor allem damit zusammenhängt, dass wir "medienhistorisch" davon ausgehen, dass etwas, das öffentlich ist, auch automatisch qualitätsvoll ist (im Sinne von "öffentlich relevant"). Das Internet an sich, und Weblogs im Speziellen, lösen diesen Zusammenhang auf - ich kann Dinge "öffentlich" machen, die vielleicht nur für meine 5 Freunde relevant sind; vielleicht schreibe ich sogar noch recht gefällig, aber selbst wenn nicht: Genau darin liegt die Qualität von Weblogs, dass sie sich gewissermaßen ihre Öffentlichkeit suchen.




Was bleibt?

Hal Faber, der betont, er jedenfalls biete Profi-Sex, kein Weblog

04.05.2005, 15:00

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Kommentare

> es gibt keines, das professionell betrieben wird (wie jene von Gawker, Weblogs Inc.,

Was heisst denn professionell, dass der Blogger bezahlt wird..?
Ich weiss ja nicht obs da nur mir so geht, aber ich finde eher kommerziell wirkende Themen-Blogs meistens sehr, sehr langweilig. Hierzulande gibts übrigens Versuche mit Sex- oder Autoblogs, die ich dann irgendwie *noch* langweiliger fand. Siehe zB http://www.dasautoblog.com/ , http://xxxblogg.de/ , http://motorblogg.de/eintrag.php?id=575 , http://www.handy-weblog.de/ , mehr zu letzterem bei http://www.creative-weblogging.com/ . Diese Blogs fliegen hierzulande unter dem Radar durch, und werden kaum wahrgenommen. Ich nehme an, entweder sind die Themen zu lahm oder die Inhalte zu unpersönlich. Spannender würde es wohl, wenn hier mal einer die erste deutsche Wonkette produziert. Und selbst da wäre in meinen Augen der Begriff "spannend" ziemlich relativ. ;)

Zu der Debatte um den Heise-Artikel an sich kann ich nur sagen, dass da wohl letztendlich der Artikel bzw wie Du sagt über die Bulletpoints debattiert wird, denn vom restlichen Inhalt Deines Vortrag erfährt man ja in der Tat nich soo viel. Ich werd mir heute Abend wenn ich wieder an der Flat sitze mal den Audiofile anhören.

Und das mit den 5 Päpsten geht trotzdem so gar nicht :P

-1- schreibt Moe am 04.05.2005, 15:43

@moe:
Was heisst denn professionell, dass der Blogger bezahlt wird..?

Hier ja. Weblogs mit Geschäftsmodell sind eine Facette einer reiferen Blogosphäre, finde ich. Ob ich die Angebote gut finde, ist eine weitere Frage. Allerdings sind für mich vier, fünf Angebote von Gawker und Co sehr lesenswert. Und es gibt ja auch Projekte wie Corante. Ich empfinde die als sehr reif.

Ich weiss ja nicht obs da nur mir so geht, aber ich finde eher kommerziell wirkende Themen-Blogs meistens sehr, sehr langweilig.

Das liegt sicher weniger am kommerziellen Charakter als an den Autoren oder der Art, wie solche Projekte designt werden. Nicht umsonst betonen Denton oder Calacanis ja, die Suche nach den Autoren sei das eigentlich Schwierige.

Spannender würde es wohl, wenn hier mal einer die erste deutsche Wonkette produziert.

Danke, ich finde, damit sind wir beim Punkt. Die Wonkette hätte ich schon gern.

-2- schreibt Jochen am 04.05.2005, 16:13

Ich werd mir heute Abend wenn ich wieder an der Flat sitze mal den Audiofile anhören.

Es ist nicht wirklich lieb. Aber doch etwas lieber als die Bulletpoints. :-)

Und: Ein blöder Denkfehler beim Spreeblick, der kurz erwähnt wird. Habe da im Eifer wen durcheinandergebracht. Einmal mehr Kielholen. :-)

-3- schreibt Jochen am 04.05.2005, 16:16

OK, ich geh auch freiwillig Kielholen für den Text auf Heise. War wirklich sehr stenografisch verknappt und hat den Kern nicht getroffen. Aber hey: Ich war in Eile und wollte zur Party ;-)

-4- schreibt Mario am 04.05.2005, 18:29

@mario: Ich sag dazu nichts. Sonst kommt noch jemand auf die Idee, in meinen Texten nach verkürzenden Darstellungen zu fahnden. :)

-5- schreibt Jochen am 04.05.2005, 18:40